Die peruanische Stadt Piura: „Das grüne Haus“ in der ersten spanischen Stadt des Landes

Im äußersten Nordwesten des Andenstaates Peru liegt mit dem auch „Stadt der ewigen Sonne“ und „Stadt der Gastfreundschaft“ genannten Pirua mit fast 420 000 Einwohnern die Hauptstadt des gleichnamigen umliegenden Departements. Auch der durch Pirua fließende Fluss trägt den Namen der Stadt in unmittelbarer Nähe der Grenze zum heutigen Ecuador, die im Jahr 1532 von dem spanischen Conquistador Francisco Pizarro als erste urbane Siedlung der Spanier in Peru überhaupt gegründet wurde. In präkolumbianischer Zeit vom lokalen und hauptsächlich vom Fischfang lebenden Indianerstamm der „Tallanes“ besiedelt ist das Gebiet der heutigen Stadt und seiner Umgebung unter Archäololgen vor allem auch für die noch nicht allzu sehr erforschte Vicús-Kultur zwischen den Jahren 500 vor bis etwa 600 nach Christus bekannt. Als damals überregional bedeutender Handelsplatz und Herstellungsort erstaunlich raffinierter Metallerzeugnisse vermuten Wissenschaftler auch enge Verbindungen mit der Lambayeque- und Moche-Kultur, deren historische Zentren weiter südlich in Trujillo und Chiclayo lagen.

Handelsposten, Heldenstadt und Kornkammer des Landes

In der späteren Kolonialzeit strategisch begünstigt durch den nahen Hafen von Paita, an dem nahezu sämtliche Schiffe von und nach Lima bzw. Spanien Halt machten, erlebte Pirua seinerzeit einen relativ großen Wohlstand, da die Stadt auf dem direkten Landweg nach Lima lag und somit vom Transport aller möglichen Güter und Waren sehr profitierte. Nach der Erlangung der Unabhängigkeit Perus in den 1820er Jahren gelang es Pirua dank seiner seit jeher fruchtbaren Böden sehr erfolgreich Baunwolle anzubauen und zu exportieren, in den 1860er Jahren setzte in der Stadt und im Umland ein regelrechter kleiner Boom ein, Deutsche, Engländer, Italiener und Chinesen suchten und fanden Arbeit in den neuen Fabriken und der blühenden Landwirtschaft vor Ort, und auch die jetzt im großen Stil betriebene Fischerei florierte zusehends. Im darauf folgenden Salpeter- oder Pazifischen Krieg von 1879 bis 1884 erlangte ein Sohn der Stadt seinen bis anhaltenden Ruhm als peruanischer Nationalheld, der einstige Admiral Miguel Grau Seminario (1834 bis 1879) wurde in Pirua geboren, noch heute sind sowohl in seiner Heimatstadt als auch in Callao Fußballstadien nach ihm benannt, er wurde im Jahr 2000 als „Peruaner des Jahrtausends“ ernannt und vor jeder Debatte des peruanischen Parlaments wird sein Name ausgerufen und von den Deputierten mit dem Ausruf Presente! (Anwesend!) gewürdigt. Sein Geburtshaus, in dem heute ein ihm gewidmetes Museum untergebracht ist, befindet sich in der Nähe der Plaza de las Armas gegenüber des Centro Civico. Weitere schöne Ausflugsziele sind die Wasserfälle Los Peroles bei Canchaque, die „Witwenlagunen“ bei Sóndor, die Ruinen von Aypate und Narihuala, das sehr grüne und idyllische Tal von San Lorenzo, die Strände von Colán, Yacila, Cangrejos, Mancora, Cabo Blanco, Las Pocitas, Los Organos, Negritos und Punta Balcones sowie die Umgebung des Rio Piura.




Literarische und kulturelle Berühmtheit am Strand des Pazifiks

Einigen internationalen Ruhm erlangte Pirua auch als einer der Handlungsorte des zweiten und 1966 erschienenen Romans „La casa verde“ (Das grüne Haus) des späteren Literaturnobelpreisträgers Mario Vargas Llosa. Auch wenn das Titel gebende Haus ein Bordell darstellt und manche Bevölkerungsschichten der Stadt nicht allzu freundlich geschildert werden, wird und wurde das Buch doch auch von Bewohnern Piruas als großes Kunstwerk akzeptiert, außerdem ist bekannt, dass der Autor durch seinen einst dort ansässigen Großvater in die Geschichte der Stadt eingeweiht ist. Diese wird nicht zuletzt von einer tiefen Religiosität geprägt, Auskunft darüber geben etwa die im Jahr 1588 errichtete Kathedrale, wie auch sieben weitere historische Kirchen im Zentrum. Auch sonst hat Pirua kulturell einiges zu präsentieren. So gibt es etwa Galerien, die sich dem jeweiligen Lebenswerk der beiden in der Stadt gebürtigen und recht bekannten Malern Luis Montero (1828-1869) und Ignacio Merino (1817-1876) widmen, Kunst und Musik werden in den beiden Schulen Escuela Regional de Bellas Artes Ignacio Merino Muñoz und der Escuela Regional de Música José María Valle Riestra gelehrt und aufgeführt bzw. ausgestellt, und das städtische Sinfonieorchester gibt ebenfalls gut besuchte und beliebte Konzerte das ganze Jahr über. In ganz Peru ist Pirua auch für seine eigenständige und schöne Keramikkunst bekannt, besonders schöne Exemplare und Stücke stammen aus dem kleinen Dorf Simbilá in der Nähe und aus dem Bezirk Chulucanas, wo die Töpferer mit ihren Arbeiten künstlerisch der eingangs bereits erwähnten Vicús-Kultur und deren Farb- und Formensprache ihren Respekt erweisen.

An der Nordküste versteht man auch zu feiern

Auch für ihre zahlreichen Volksfeste ist Pirua ein Begriff in Peru, das ganze Jahr über finden prächtige Prozessionen und ausgelassen Festivitäten statt, so etwa die in der ganzen Region begangenen Dreikönigsfeierlichkeiten am 6. Januar, der Beginn des Karnevals am 20. Januar in Sechura, San Sebastián, Suyo und Ayabaca, die Fiesta de Yuncas in San Pedro mit Wettkämpfen, Schönheitsköniginnenwahlen und geschmückten Festwägen am 20. Februar, das Fest zu Ehren des Schutzheiligen von Vice, San Jacinto, am 29. Februar, das Zitronenfest im Juni/Juli, das Kaffeefest im August, das Fest der Jungfrau Las Mercedes in Paita am 24. September und das große Fest zu Ehren des Retters in Ayabaca am 13.Oktober, bei dem jedes Jahr tausende von Pilgern aus ganz Peru erscheinen. Diese erreichen die Region wie auch die Stadt am besten über die Panamericana-Autobahn, der Flughafen Aeropuerto Internacional Capitán FAP Guillermo Concha Iberico wird auch von vielen internationalen Linien angeflogen. Hotels aller Standards finden Sie ebenfalls in großer Auswahl, gleiches gilt für Gastronomie und Unterhaltungsangebote für das Nachtleben, die internationalen Ansprüchen genügen.