Die peruanische Stadt Ica: Dünen, Weine, Steine und ganz viel Gemüse

Kauft und isst man irgendwo in Peru, Südamerika oder auch sonst wo auf der Welt Artischocken, Trauben, Spargel, Süßkartoffeln, Mais, Mandarinen, Äpfel, Kichererbsen, Orangen, Pekanüsse, Tomaten, Zwiebeln, Datteln, Mangos oder Avocados, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass diese aus Ica und Umgebung stammen, denn die Stadt mit ihren ca. 130 000 Einwohnern gilt samt der umliegenden und gleichnamigen Region trotz der Lage inmitten der Küstenwüste Atacama-Sechura als der größte Obst- und Gemüsegarten des Landes.

Der Anbau und die Ausfuhr von Agrarprodukten ist mit Abstand der wichtigste Wirtschaftszweig der Stadt, neben den genannten Früchten und Gemüsesorten sind auch Baumwolle und Luzerne (Kleesorten) als Viehfutter von großer Bedeutung für den Export, der Fischfang spielt trotz der Nähe zum Pazifik jedoch keine hervorgehobene Rolle. In Ica werden auch schon seit der Ankunft der Spanier im 16. Jahrhunderts Wein und Spirituosen hergestellt, überregional bekannt ist zum Beispiel der nach der nicht weit entfernten Hafenstadt Pisco benannte Weinbrand. Die unzähligen Bodegas der außer Ica selbst insgesamt 13 Provinzdistrikte La Tinguiña, Los Aquijes, Ocucaje, Pachacute, Parcona, Pueblo Nuevo, Salas, San José de los Molinos, San Juan Bautista, Santiago, Subtanjalla, Tate und Yauca del Rosario gelten somit als empfehlenswerte Stationen, um einen der vielen guten Weine der Region kennen zu lernen. Die Stadt Ica liegt ca. 300 Km und damit 4 bis 5 Autostunden südlich von Lima entfernt, und ist über die Autobahn Carretera Panamericana Sur das ganze Jahr über gut zu erreichen, manche Seiten- und Nebenstraßen der Region können jedoch noch vom großen Erdbeben von 2007 beschädigt und nicht wieder gänzlich hergestellt sein.

Die Steine von Ica: Weltwunder oder wahrscheinlich erlogen?

Für je nach individueller Weltsicht Kopfschütteln oder Bewunderung sorgten bzw. sorgen noch immer die im Jahr 1961 angeblich bei Ica erstmals aufgetauchten und mit aufwändigen und filiganen Gravuren versehenen Steine aus dem Vulkangestein Andesit, welche z.T. sehr detaillierte Abbildungen von Dinosauriern, Technologie, medizinischen Eingriffen, Landkarten wie auch Pornographie zeigen, die jedoch nach einhelliger Meinung der meisten seriösen Forscher lediglich Fälschungen darstellen. Nichtsdestotrotz existiert im ehemaligen Gebäude der Telefongesellschaft an der Plaza de las Armas in Ica noch immer eine große Ausstellung der besagten Steine, aus rein ästhetischen Gründen kann man diese natürlich besuchen, wissenschaftlich sind die gewagten Vermutungen über ihre womöglich gar außerirdische Herkunft allerdings unhaltbar.




Tatsächliche Artefakte der Vergangenheit kann man aber direkt im benachbarten Regionalmuseum besichtigen, dort gibt es zum Beispiel Ausstellungsstücke zur lokalen Nasca- und Paracas-Kultur (um 300 bzw. 700 vor Christus), die erstaunliche Kenntnisse in Bezug auf Bewässerungstechniken und Textilherstellung offenbaren. In der Stadt selbst gibt es auch noch sehr viel mehr zu sehen, so etwa den Palacio Municipal (Stadtpalast) mit seiner verschwenderischen Innenausstattung, die Kathedrale von 1814, die neoklassistische Klosteranlage von Señor de Luren, wo sich jedes Jahr im Oktober tausende von Gläubigen versammeln, die Casona del Marqués de Torre Hermoza und die Casona Mendiola als seltene Bauwerke aus der Zeit des Vizekönigtums.

Sanddünen, Seevögel und Scharrbilder in der unmittelbaren Umgebung

Eine sehr bekannte Attraktion der Region ist außerdem die von Palmen, Tamarindenbäumen und Eukalyptus bewachsene und nur 5 Km entfernte Lagune von Huacachina mit ihren bis zu 100 Meter hohen Dünen, auf denen auch ca. halbstündige Rundfahrten mit Buggies unternommen werden können. Weitere Ausflugsziele in der näheren und weiteren Umgebung von Ica sind die Landschaft Nevado Ampay bei der Stadt Abancay, die Oase Chincha samt der alten Sklavenfarm von San Jose, das Paracas-Naturschutzgebiet in der Provinz Pisco samt der dortigen Ballestas-Inseln und San Gallan und Vorkommen von Robben, Tölpeln, Pelikanen, Pinguinen, weiteren Meeressäugern und zahlreichen Seevögeln, das Dorf Humay mit den Ruinen von Tambo und die für ihr UNESCO-Welterbe der großflächigen Scharrbilder bekannte Stadt Nazca. Einen besonderen Ruf genießt auch das nur 3 Km von Ica entfernte Dorf Comatrana. Dort werden viele folkloristische Bräuche der Region noch liebevoll gepflegt, außerdem wird in dem Fischerdorf auch gerne und ausgiebig gefeiert, so etwa zu Ehren des Stadtheiligen Señor de la Esperanza (Herr der Hoffnung) den ganzen Mai über, im Juni wird dem Schutzheiligen der Fischer, San Pedro mit Prozessionen und Fiestas gedacht und der Juli steht ganz im Zeichen der weiblichen Heiligen la Virgen del Carmen (Jungfrau Carmen). Sehenswert ist auch das Naturschutzgebiet Reserva de Punta San Juan im Süden bei Marcona, wo man die größte peruanische Kolonie von Humbold-Pinguinen bewundern kann, und ganz in der Nähe gibt es mit der Bucht von San Fernando die einzige Stelle in Peru, wo Sie mit etwas Glück Meeresnutrias, Wale, Delfine und Seewölfe in freier Wildbahn beobachten können.